Das soziale Menschenrecht auf Wohnen! – Denk Klasse! Denk Divers!

Unsere Veranstaltung „Das soziale Menschenrecht auf Wohnen! – Denk Klasse! Denk Divers!“am Donnerstad, den 26.02.2026 im „Aquarium“ am Kottbusser Tor

Das soziale Menschenrecht auf Wohnen! – Denk Klasse! Denk Divers!

Am 26. Februar 2026 fand im Aquarium am Kottbusser Tor in Berlin die Abschlussveranstaltung der Reihe „Das soziale Menschenrecht auf Wohnen“ statt. Unter dem Titel „Denk Klasse! Denk Divers!“ lud die Eberhard-Schultz-Stiftung zu einer Podiumsdiskussion ein, die sich mit einer der drängendsten sozialen Fragen unserer Zeit beschäftigte: dem Recht auf angemessenen und bezahlbaren Wohnraum.

Wohnen als Menschenrecht – aber wie präsent ist es?

In Deutschland sind zahlreiche Menschen von Wohnungsnot betroffen. Dabei ist das Recht auf angemessenen Wohnraum völkerrechtlich als soziales Menschenrecht anerkannt. Dennoch bleibt offen, wie bekannt dieses Recht in der Bevölkerung tatsächlich ist – und in welchem Maße Diskriminierungserfahrungen im Kontext von Wohnungssuche und Wohnpolitik überhaupt systematisch berücksichtigt werden.

Die Veranstaltung bildete den Abschluss einer Reihe von mehreren Events unter dem Motto „Das soziale Menschenrecht auf Wohnen“, die während des vergangenen Jahres von der Eberhard-Schultz-Stiftung organisiert wurden. Für die von Dr. Verena Pfeiffer Kloss  kompetent und warmherzig moderierte Podiumsdiskussion hatten sich vier Panelteilnehmer  eingefunden :

Ed Greve, politische Referentin im Migrationsrat Berlin e.V.

Dr. Andrej Holm, Stadtsoziologe und wiss. Mitarbeiter an der HUB für Regional und Stadtsoziologie und Mitglied des Kuratoriums der Eberhard-Schultz-Stiftung

Anja Piotrowski, Straßensozialarbeiterin bei Gangway e.V.

Katja Wolf, Mitgründerin der Stiftung Kienhorstpark, die sich dafür einsetzt sicheres Wohnen für Frauen zu ermöglichen.

 

Augenmerk der Gesprächsrunde lag in der Beleuchtung vorhandener solidarischer Strukturen , der Wirksamkeit oder Entwicklung dieser in Bezug auf die aktuelle Wohnungssituation  in Deutschland, durch das komplette Versagen der politisch Verantwortlichen in Senat und Bundesregierung.

Housing First Projekte für Wohnungslose, genossenschaftliche Modelle und im Rahmen von gemeinnützigen Vereinen oder Stiftungen gegründete  Bauprojekte sind existent und in einigen Bereichen wirksam,  greifen jedoch gesamtgesellschaftlich nicht, so das Fazit der Teilnehmenden.

Andrej Holm regte eine grundlegende Perspektivverschiebung an Für viele Zuhörende eröffnete er neue – oder längst vergessene – Denkansätze darüber, wie das Menschenrecht auf Wohnen umgesetzt werden könnte. Seine zentrale Frage: Warum wird Wohnen nicht ähnlich gedacht wie das Recht auf Bildung – also als grundlegende öffentliche Aufgabe, die in kommunaler und staatlicher Verantwortung liegt?

Holm verwies zudem auf historische Beispiele aus der Zeit der Weimarer Republik. Damals wurden Gewinne aus privater Vermietung stärker steuerlich reguliert, und die daraus resultierenden Einnahmen flossen in den kommunalen Wohnungsbau. Ein Modell, das – so seine Einschätzung – auch heute wieder diskutiert werden könnte.

Zusammen mit Ed Greve betonte er die Notwendigkeit Senat und Regierung  in die Verantwortung zu nehmen. In einem maßlosen, ausschließlich profitorientierten kapitalistischen System scheint dies auch für Anja Piotrowski  und einen Großteil des Publikums mehr als fraglich. Maßnahmen aus dem Bereich der Straßensozialarbeit sind und bleiben Augenwischerei und Alibi für Verantwortliche.

Austausch, Musik und neue Energie, trotz der ernüchternden Analyse der aktuellen Lage endete der Abend nicht pessimistisch. Beim anschließenden Buffet, in vielen intensiven Gesprächen und mit Musik von DJ R-ZOU („Tanzende Welten“)  setzte sich der Austausch fort. Gerade diese informellen Begegnungen machten deutlich, wie wichtig gemeinsame Räume sind: Räume, in denen Menschen Ideen teilen, Mut schöpfen und konkrete Schritte für Veränderung entwickeln können